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Tag 38
Weltkulturerbe Koyasan und ein typisches Stück Heimat

GPS: N 34°, 13.848'
E 135°, 29.491'
Höhe: 842m
Ort: Kreuzung 480/3
Etmal: 19 km
Total : 836 km
Morgens fühle ich mich so wie mein Zeltplatz ist - ein Stück Schotter vor einer landwirtschaftlichen Blechgarage, 1m daneben eine Schnellstraße! Gefühlte Zeit: 4 Uhr morgens im November! Der Tag ist grau in grau unter Wolken, Frühstück
fällt ersatzlos aus und die letzten 4 km quäle ich mich durch einen wunderschönen Wald den Berg hinauf. Leider träume
ich von Fleischsalat- und Mettwurst-Brötchen. Dann trete ich
aus dem Halbdunkel des Waldes in die Sonne des 1000 m hohen Koyasan, und vor mir erstrahlt ein riesiges Tempeltor in Rot. Ich bin platt! "Mein Zeltplatz", geht mir sogleich durch den Kopf, dann stehen wieder die Brötchen im Vordergrund.
In der nahen Ortschaft finde ich einen Laden, wo ich meine rudimentären Bedürfnisse befriedigen kann. Auf dem Weg zurück zum Tempel wanken mir zwei Gestalten entgegen:
intuitiv geht "Deutsch!" durch mein Hirn. So grüße ich auch auf Deutsch "Hallo, wie geht's?" Ein undeutliches Gemurmel antwortet mir, und ohne eine Miene zu verziehen, sind sie auch schon vorbei! Viel später: ich ergötze mich gerade an dem
50m hohen, leuchtend-roten Tempel-Wahrzeichen von
Koyasan zusammen mit einer Gruppe taiwanesischer Architekten, als eine Gruppe schweigsamer Menschen vorbei trottet. Wieder denke ich "Deutsch". Meine beiden Gestalten sind auch dabei. Null Reaktion. Ein Stück typisch realer
Heimat also! Anscheinend kann man doch nie weit genug weg sein!


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