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walkabout-japan
Tag 40
Ausschlafen? Nicht in Japan!
Ort. Hashimoto am Fluss
GPS: N 34°, 18.879'
E 135°, 36.946'
Etmal: 22 km
Total: 889 km
Sonntag! Um halb sieben werde ich von Motorrädern geweckt,
die auf der anderen Seite des Flusses Rennen fahren, diesmal
ohne Auspuff. Um mein Zelt streunen schon misstrauisch ruhelose
Rentner mit ihren Hunden, die alles vollkacken, 30 m weiter
spielen erwachsene Männer dieses komische Spiel mit Nullen,
Ball fangen und Knüppel. Die Sonne scheint, und ich fühle
mich noch reichlich fertig von gestern.
Der Rucksack ist zwar schön leicht geworden, aber die
Füsse sind geschwollen. Wer weiß, wie lange die
noch ohne Ruhepause halten...
Ich schleppe mich bei schwülen 28 Grad an einem wunderschönen
einsamen Flussufer entlang, nachdem ich in Gojo einkaufen
gewesen bin. Dieses Kaff gewinnt den Preis für die lauteste
Stadt der Welt. Auf der 5 m breiten Bundesstraße steht
wieder eine Schlange meist weißer Autos, dazwischen
die besagten Motorräder ohne Auspuff, die Luft ist hellbraun,
es ist windstill...
Egal, Vergangenheit! Dieser Flussweg ist das Gegenteil. Ruhe,
kaum Verkehr, eine Oma jähtet Unkraut unter blühenden
Kirschbäumen, und im beistehenden Radio quält sich
schmachtend ein japanischer Schlagersänger ab. Bei dem
Wetter kriecht wohl alles raus. Ich sehe viele Mamushis (Japans
giftigste Schlange), die dicht an der Straße in der
Sonne liegen. (Vorsicht beim Spatengang ist also geboten).
Auf einem Sandfeld, welches mit Wimpeln abgesteckt ist, hauen
Greise mit Hämmern, die einen über einen Meter langen
Stiel haben, nach bunten Bällen. (Wahrscheinlich sind
sie zu alt, um den Knüppel bei "Ball-fangen-Spiel"
hochzukriegen.) In einer Ecke sind gebannte Zuschauer unter
einem riesigen Kirschbaum versammelt, der seine Blütenblattblätter
auf sie runter regnen lässt wie Schnee: Sakura!
Später schwimme ich noch zusammen mit einem 65 jährigen
Japaner, der aussieht, als ob er jeden Tag ununterbrochen
Holz hackt, so einen durchtrainierten Oberkörper hat
er.
Nachts fängt es an zu gießen und vertreibt die
schwüle Hitze von meinem Fluss, wo ich wieder Asyl gefunden
habe. Ich bin ganz schön kaputt!
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